Sprung von Hohenwutzen auf den Polenmarkt

„Damals hatten sie keinen klaren Plan, was sie mit dem Standort machen wollten“, sagt er. Wahrscheinlich haben Sie gerade die Gelegenheit wahrgenommen, eine gute Investition zu tätigen. Die Fläche, auf der die alte Halle der Zellulosefabrik steht, beträgt 500.000 Quadratmeter. Eine Region, die einst zu Deutschland gehörte. Als die Rote Armee gegen Ende des Zweiten Weltkriegs an die Oder marschierte, wurden die Anlagen alle demontiert und entfernt, wobei leere Gebäude zurückblieben.

Oder Center in Berlin

Irgendwann entstand die Idee für das „Oder Center Berlin“ und heute befinden sich auf dem Gelände rund 700 Verkaufsstände, Kneipen, Apotheken, Friseure und Tankstellen. Und Gesch richtete am Ufer der Oder einen kostenlosen Campingplatz ein. So entstand der Polenmarkt Hohenwutzen Tanken. Jaqueline und Franz Tetzlaff sind häufige Gäste. „Wann immer ich Zeit habe, komme ich von Berlin hierher, um die Ruhe zu genießen“, sagen zwei ihrer Hauptstadtbewohner.

Die größte Attraktion seiner Kunden, die zu 99 % aus Deutschland stammen, sind laut Nicolas Gesch Zigaretten, Benzin, Gardinen und Friseure. Diese sind in Polen deutlich günstiger als in Deutschland. Benzin kostet jetzt weniger als 1 € pro Liter und Zigaretten etwa die Hälfte des Preises.

Alle anderen Ständer profitieren von der Magnetwirkung. Shuttle-Busse verkehren 3 mal täglich von Berlin nach Osinov Dolny und ziehen täglich tausende Besucher an. Auch Simone kam an diesem Samstag mit dem Bus. “Für Zigaretten und Essen gehen”, sagt sie. Der 1-stündige Spaziergang lohnt sich.

Kudam von Osinov Dolny

Am ersten Samstag im Juli betreten und verlassen viele Besucher den Markt, eine Corona-Infektion ist wenig zu befürchten. Über “Ku’damm” – Nicolas Gesch sagt, so sei der Marktplatz getauft worden. Inzwischen sind die Marktbesuche weitgehend auf das Niveau vor der Pandemie zurückgekehrt. Händler seien hart getroffen worden, als sie alle geschlossen hätten, mit Millionenverlusten, so Gesch. Also gab er dem Händler 70 % der Miete. „Sonst wäre es für manche echt schwierig geworden“, sagt der Unternehmer. Er hofft, den gesamten Standort innerhalb von 10 Jahren erweitern zu können, aber es bleibt abzuwarten, ob es funktionieren wird.

Immerhin steckt noch viel Potenzial in den alten Fabrikgebäuden, die nach und nach saniert werden, um mehr Verkaufsfläche zu schaffen.